Was steckt hinter dem Inliner-Verfahren?
Das Inliner-Verfahren – fachsprachlich als Schlauchliner oder Cured-In-Place-Pipe (CIPP) bezeichnet – ist eine grabenlose Technik zur Sanierung beschädigter Abwasserrohre von innen. Ein mit flüssigem Epoxidharz getränkter Textilschlauch wird in das vorhandene Rohr eingebracht, durch Luft- oder Wasserdruck an die Innenwand gepresst und anschließend mit UV-Licht, Heißwasser oder Dampf ausgehärtet.
Das Ergebnis ist ein vollständig neues, dichtes Rohr innerhalb der alten Struktur – ohne dass die Oberfläche aufgegraben werden muss. Die Wandstärke des Liners beträgt in der Regel drei bis sechs Millimeter, seine Lebensdauer wird von Herstellern mit fünfzig Jahren und mehr angegeben.
Ursprünglich in den siebziger Jahren in England für kommunale Kanäle entwickelt, findet das Verfahren heute zunehmend Anwendung bei Hausanschlussleitungen, Grundleitungen unter Gebäuden und Fallrohren in Bestandsbauten.
Wann ist ein Inliner die richtige Lösung?
Das Verfahren eignet sich besonders dann, wenn das vorhandene Rohr in seiner Grundform noch intakt ist, aber Undichtigkeiten, Risse, Muffenversätze oder Wurzelbefall aufweist. Typische Einsatzfelder sind Hausanschlussleitungen mit eingewachsenen Wurzeln, gealterte Steinzeugrohre mit Haarrissen, Fallrohre in Altbauten und Leitungen unter befestigten Flächen oder Gebäudeteilen.
Nicht geeignet ist der Inliner, wenn das Rohr komplett eingestürzt ist, wenn starke geometrische Abweichungen vorliegen – etwa extreme Versätze oder zu enge Bögen – oder wenn die Verschmutzung so massiv ist, dass sie vor der Sanierung nicht entfernt werden kann.
In solchen Fällen bleibt nur die konventionelle offene Sanierung mit Bagger und Neuverlegung. Ein seriöser Fachbetrieb klärt diese Frage vorab durch eine Kamerabefahrung und berät Sie transparent über die Optionen.
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Der Ablauf in der Praxis
Ein Inliner-Einsatz lässt sich in der Regel an einem einzigen Tag abschließen. Der Ablauf folgt einem festen Schema: Zunächst wird das Rohr per Kamera inspiziert, um den Schaden zu bewerten und die Eignung für das Verfahren zu bestätigen. Danach erfolgt eine gründliche Hochdruckreinigung, um Ablagerungen, Wurzeln und lose Partikel zu beseitigen.
Anschließend wird der Textilschlauch passgenau zugeschnitten und mit Epoxidharz imprägniert. Über einen Zugangsschacht oder eine Revisionsöffnung wird er in das bestehende Rohr eingebracht und mit Druckluft an die Wand gepresst. Die Aushärtung erfolgt je nach Verfahren innerhalb weniger Stunden.
Nach dem Aushärten werden eventuell verdeckte Abzweige mit einem Fräsroboter wieder geöffnet. Eine abschließende Kamerabefahrung dokumentiert das Ergebnis und dient als Qualitätsnachweis. In den meisten Fällen kann die Leitung noch am selben Tag wieder genutzt werden.
Haltbarkeit und Langzeitwirkung
Die Lebensdauer eines fachgerecht eingebrachten Inliners ist beeindruckend. Die meisten Hersteller gewährleisten fünfzig Jahre, in der Praxis rechnen Fachleute mit bis zu achtzig Jahren bei korrekter Verarbeitung. Damit gehört das Verfahren zu den wirtschaftlichsten Langzeitlösungen im Bereich der Abwassersanierung.
Die verwendeten Epoxidharze sind chemisch beständig, resistent gegen Wurzeleinwuchs und sorgen für eine glatte Innenfläche, die den Durchfluss verbessert und zukünftige Ablagerungen erschwert. Das sanierte Rohr ist in vielen Fällen leistungsfähiger als das Original.
Achten Sie bei der Auswahl des Fachbetriebs auf eine Zertifizierung nach DIN EN ISO 11296-4 und lassen Sie sich die vollständige Qualitätsdokumentation einschließlich Vorher-Nachher-Kameraaufnahmen aushändigen. Diese Unterlagen sind wertvoll für den Wiederverkauf der Immobilie und für Versicherungszwecke.
Stärken und Einschränkungen
Die Vorteile sind klar: Kein Aufgraben bedeutet keinen Gartenschaden, keine zerstörte Pflasterung, keinen wochenlangen Baulärm. Die Bauzeit beschränkt sich auf einen Tag, die Lebensdauer ist außerordentlich lang, und die Gesamtkosten liegen in der Mehrzahl der Fälle unter denen einer offenen Sanierung. Auch Rohre unter Gebäuden, Garagen oder Terrassen sind erreichbar.
Auf der anderen Seite steht: Nicht jedes Schadensbild ist für den Inliner geeignet. Die Rohrkapazität sinkt geringfügig durch die zusätzliche Wandstärke, was bei Standarddurchmessern allerdings kaum ins Gewicht fällt. Bei sehr kurzen Leitungsabschnitten kann die konventionelle Lösung wirtschaftlicher sein.
Entscheidend ist die Qualifikation des ausführenden Betriebs. Das Verfahren erfordert spezielle Ausrüstung und Erfahrung. Lassen Sie sich Referenzprojekte zeigen und fragen Sie nach der Zertifizierung, bevor Sie den Auftrag vergeben.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange hält ein Inliner? expand_more
Eignet sich das Verfahren auch für Trinkwasserleitungen? expand_more
Wie schnell kann das Rohr nach der Sanierung wieder genutzt werden? expand_more
Wann ist eine Neuverlegung dem Inliner vorzuziehen? expand_more
Gibt es Fördermittel für die Inliner-Sanierung? expand_more
Redaktion RohrProfi Sofort
Unser Team besteht aus zertifizierten Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit über 15 Jahren Erfahrung in der Rohrreinigung und Kanalsanierung. Wir teilen unser Wissen, um Ihnen im Notfall schnell und sicher zur Seite zu stehen.